10 Geheimnisse der Körpersprache
Die 10 Geheimnisse einer besseren Körpersprache

Folge 79 aus dem Podcast „MENSCHEN ÜBERZEUGEN

Die Körpersprache entscheidet darüber, ob dein Zuhörer dich für kompetent, sympathisch und authentisch hält. Denn es gibt kein zweites Mal für den ersten Eindruck – und auch nicht für die Körpersprache. Stell’ dir vor, ich erzähle dir eine kleine Geschichte und wackele dabei ungeduldig mit den Beinen hin und her und vermittle Anspannung. Was denkst du?


Die Macht der Körpersprache

Hast du die Anfangsübung gemacht? Was denkst du von mir? „Der ist ja total nervös!” Korrekt! Und schon hast du dir anhand meiner Körpersprache einen ersten Eindruck von mir gemacht. Das geschieht unbewusst. Du hast also nicht auf meine Worte geachtet, sondern vor allem auf meinen Körper, meinen Gesichtsausdruck, vielleicht auch meine zittrige Stimme. Meine Mimik und Gestik verraten meine Anspannung. Ich fühle mich in dieser Situation unwohl.

Wir können bereits aus dieser Anfangsübung schließen, dass uns nonverbale Kommunikation hilft, Informationen über das Gegenüber zu sammeln und uns ein Bild von ihm zu machen. Wir interpretieren automatisch und bewerten damit, ob jemand sympathisch, nervös, schlau oder so gar nicht unser Fall ist. Das geschieht täglich.

Magische Zahlen

Die magischen Zahlen zur Körpersprache von Albert Mehrabian

55-38-7 sind nach Albert Mehrabian die drei magischen Zahlen der Kommunikation. Der kalifornische Professor Albert Mehrabian machte in den 1960er Jahren ein Experiment und fand heraus, dass die Körpersprache 55%, die Stimme 38% und der Inhalt nur 7% zählen. Dieser Mythos hält sich seit Jahrzehnten wacker in unseren Köpfen. Dabei hat Mehrabian das Experiment einzig und allein auf Emotionen bezogen. Wir interpretieren die Gewichtung dieser Aussage demnach falsch.

Die Zahlen aus Mehrabians Versuch geben uns eher Information darüber, wie schnell das Vertrauen bei falschen Signalen verspielt werden kann, als dass sie belegen, dass die Inhalte nicht so wichtig sind.

Somit sollten wir es eher andersherum deuten, als dass 55% die Körpersprache ausmacht, denn die Inhalte müssen für das Gesamtbild dennoch Sinn machen. Doch was wir verspielen, obwohl die (Text-)Inhalte gut sind, ist nicht weniger als das Vertrauen der Zuhörer.

Wie wir unbewusste Signale der Körpersprache deuten, bestimmt somit, ob wir der Person glauben, oder nicht. Wenn wir den Inhalt nicht verstehen oder dieser eine Diskrepanz zur Körpersprache aufweist, gewichten wir letztere immer höher. Bestes Beispiel ist jemand, der eine Lüge erzählt. Die Mimik wird sie oder ihn verraten. Weil wir Menschen nun einmal emotionale Wesen sind und subjektiv bewerten, sollte Sympathie und Glaubwürdigkeit durch Körpersprache positive beeinflusst werden.


Natürlich zählt bei dem Ergebnis aus Mehrabians Forschung auch der Kontext

Denn Körpersprache ist extrem kontextabhängig und wird in unterschiedlichen Branchen und Unternehmen verschieden stark benötigt.

  • Wer ist der Redner und wer hört zu? Die Beziehung zu Zuhörern und Vorgeschichte haben einen Einfluss, als auch Voreingenommenheit des Publikums.
  • Haben die Menschen bereits Vorkenntnisse zum Inhalt und müssen „nur” überzeugt werden?
  • Für den Vertrieb im Unternehmen ist sie sehr wichtig, für das Forschungslabor eher nicht. Pauschal gesehen gilt das Ziel, mit Hilfe der nonverbalen Kommunikation positive Eindrücke zu vermitteln und zu überzeugen. Doch wie funktioniert das eigentlich?


Körpersprache deuten – die feinen Unterschiede

Körpersignale haben in unterschiedlichen Kulturen selten die gleiche Bedeutung. Gesten wie etwa ein Schulterzucken oder wenn jemand einen fragenden Blick hat, können wir verallgemeinern. Aber wie sieht es mit einem Händedruck aus? Muss dieser kurz oder lang sein? Was gibt es für „Begrüßungsalternativen”? Drei Wangenküsschen in Frankreich?

Auch der Blickkontakt wird unterschiedlich interpretiert. In Europa gilt er als höflich und respektvoll, in Japan jedoch ist das Gegenteil der Fall. Bitte dort nicht erwidern. Ebenso lesen die Asiaten die Mimik meist anhand der Augenpartie ab und ein Lächeln ist zweitrangig. Bei uns steht der Mund im Fokus. Auch ein Kopfnicken ist nicht unbedingt eine Bestätigung, denn in Arabien ist es eine Ablehnung. Und jemand aus Russland empfindet den Daumen nach oben (woanders Zeichen des Lobes) als Beleidigung.

Fazit zu regionalen Unterschieden:

Interkulturelle nonverbale Kommunikation ist alles andere als einfach. Mit ein paar Geheimnissen überzeugst du dennoch und kannst die Körpersprache des Gegenübers lesen!

Passende Inhouse-Seminare

Mimik - Körpersprache der Augen

Mimik – Körpersprache der Augen

Nicht umsonst legen wir in westlichen Ländern wert auf Blickkontakt. Dieser zeugt von Respekt, Höflichkeit, Selbstbewusstsein und Souveränität. Charismatische Redner beispielsweise schauen direkt ins Publikum, damit sich jeder einzelne darin angesprochen fühlt. Unsere Augen verraten, wenn wir die Unwahrheit sagen, denn dann schauen wir nach unten oder ein ehrliches Lächeln, denn dann bewegt sich die Augenpartie mit. Jede noch so kleine Micro Expression, jede kleinste Muskelbewegung entlarvt unsere Emotionen. Beherrscht du die Psychologie, kannst du also relativ schnell die Körpersprache anderer deuten und die richtigen Signale lesen.


Das Gute an körperlichen Signalen ist:

Wir können sie trainieren und bewusst zu unserem Vorteil einsetzen. Ein Tipp zum Blickkontakt: Wenn du also etwas unsicher bist, schaue gerne kurz mal auf die PowerPoint, dann aber wieder ins Publikum. Der Blickkontakt sollte zu 100% bei ihm sein! Zeige Emotionen in deinem Gesicht, das macht dich authentisch und sympathisch!


Körpersprache charismatisch einsetzen: Jetzt im Video!

Kleine Praxis-Übung zur Mimik der Augen:

Nimm dich 2 Minuten mit dem Smartphone auf und erzähle eine kurze Geschichte, die dich heute sehr bewegt hat. Anschließend schaust du dir das Video an und achtest nur auf deine Mimik sowie deine Augen. Was verraten sie dir? Mache das ganze noch einmal, aber versuche nun etwas Sachliches zu erläutern. Bemerkst du einen Unterschied?


Gestik – Körpersprache der Hände

Das Publikum schaut zu 80% bis 90% auf die Augen, dann auf die Hände. Die meisten Redner halten sie starr vor sich oder fuchteln wild herum, wenn sie nervös sind. Viele spielen auch mit einem Stift. Dabei kann man mit Hilfe der Hände so viel ausdrücken. Eine aktive Gestik wirkt souverän und angstfrei. Menschen lieben souveränes Auftreten, daher ist es so wichtig, die passenden Gesten zu trainieren.

Natürlich ist es wichtig, die Bewegungen ruhig und kongruent zu dem Inhalt auszuführen. Deine Körpersprache sollte deine Aussagen unterstützen. Wenn du etwa von Freiheit sprichst, aber deine Hände verschränkt vor der deiner Brust hältst, wirkt das kontraproduktiv, mitunter sogar aggressiv, statt Freiheit und Gelassenheit zu vermitteln!


Gestik effektiv nutzen: Jetzt im Video!

Kleine Übung: Welche Bewegung würdest du machen? Probiere aus, die folgenden drei Aussagen mit Hilfe deiner Hände aktiv zu untermalen:

  1. einerseits − andererseits
  2. etwas anzweifeln
  3. Grenzen aufzeigen und überschreiten


Körperhaltung und Kongruenz

Natürlich sollten nicht nur Mimik und Gestik gezielt eingesetzt werden, sondern der gesamte Körper.

Schon allein mit den folgenden simplen Tricks kannst du deine Haltung beim Sprechen verbessern und dir die Aufmerksamkeit des Gegenüber sichern:

  • Wende dich zu ihr/ihm
  • Stehe aufrecht
  • Du sprichst zu ihr/ihm: dann unterstütze das aktiv mit deinem Körper
  • Zeige Wärme und Zuwendung. Wenn etwa eine Frage aus dem Publikum kommt, wende dich zu dem Fragesteller hin und sprich ihn direkt an. Das hilft auch bei unsachlicher Kritik
  • Bleibe standfest! Idealerweise stehst du zentral zum Publikum, also von allen gleich weit entfernt

Kleine Übung zur Körperhaltung:

Richte dich immer wieder auf, denn oft gehen wir gebückt oder ziehen die Schultern nach vorne von der PC-Haltung. Durch Arm- und Rückentraining kannst du deine Haltung verbessern. Stelle dich aufrecht hin, rolle die Schultern zurück, öffne die Brust, halte die Hände mit den Handflächen nach vorne an den Seiten. Schließe die Augen und hebe deinen Kopf. Die Krone strebt zur Decke. Das nennt man im Yoga die „Berghaltung”. Sie sorgt für Standfestigkeit und Stabilität.

Passende Online-Kurse

Macht die Körperhaltung im Sitzen einen Unterschied?

Ja! Denn hier ist besonders die Beinregion interessant. Viele sind darauf geschult, den Oberkörper still zu halten, aber wackeln vor Nervosität mit den Beinen hin und her. Frauen sitzen gerne mit überkreuzten Beinen – das wirkt unsicher. Auch breitbeinig sitzen fördert nicht die Souveränität!

Tatsächlich ist schulterbreit und aufrecht stehen besser, alternativ kannst du dich ab und zu im Raum bewegen. Aber wenn du jemandem bereits gegenüber sitzt, solltest du eine offene, zugewandte Haltung einnehmen. Deine Haltung sollte idealerweise Ruhe ausstrahlen.

Die Arme zu verschränken ist nicht immer schlecht, wenn dein Gesichtsausdruck offen ist. Idealerweise variierst du jedoch die Armhaltungen, je nachdem, welche Botschaft du vermitteln möchtest. Du kannst die Hände übereinander legen, die Finger verschränken oder die „Merkel” machen. Gerne kannst du auch mal die Hände vor die Brust nehmen, wenn du deine Aussage unterstreichen möchtest.

Die Arme zu verschränken ist nicht immer schlecht, wenn dein Gesichtsausdruck offen ist. Idealerweise variierst du jedoch die Armhaltungen, je nachdem, welche Botschaft du vermitteln möchtest. Du kannst die Hände übereinander legen, die Finger verschränken oder die „Merkel” machen. Gerne kannst du auch mal die Hände vor die Brust nehmen, wenn du deine Aussage unterstreichen möchtest.

Ein weiterer hilfreicher Tipp zur Haltung:

Überlege Dir immer eine Standard-Armhaltung, die dir Sicherheit gibt. Versuche aber, möglichst zu variieren, ohne jedoch ständig hin- und her zu fuchteln oder zu wackeln. Wenn du aufstehst, bewege dich natürlich im Raum und „tigere” nicht auf und ab. Lass deine Arme dabei locker aber kontrolliert an der Körperseite und nutze sie, um Worte und Handlungen zu unterstreichen.

Kleider machen Leute

Kleider machen Leute

Kennst auch du das Gefühl, dass du im Schlabberlook eher durch die Gegend schlenderst und in gut sitzender Kleidung energischer und motiviert bist? Genauso ist es auch; das hat ein Experiment ergeben. Wenn wir uns schick und attraktiv fühlen, gibt uns das Sicherheit. Wir gehen aufrechter und zeigen stolz, wenn wir einen Anzug oder ein schönes Kleid tragen. „Kleider machen Leute” – du kannst also auch so deine Überzeugungskraft und Körpersprache beeinflussen. Durch die positiven Signale der äußeren Erscheinung, egal ob privat oder im beruflichen Alltag.


Körpersprache und Ausstrahlung im Alltag

Man kann nicht grundsätzlich sagen, dass die eine oder andere Körpersprache besser ist – sie ist situationsabhängig und individuell. Denn jeder hat seine eigenen Stärken und damit auch seinen eigenen Stil – Deine Körpersprache sollte zu dir passen! Bist du z.B. eher ein extrovertierter Macher oder eher der ruhige, analytische Denker? Der erste wird eher im Vertrieb oder am Kunden arbeiten, der zweite im Hintergrund agieren, Ideen oder Analysen am Schreibtisch kreieren. Und so ist es auch im Berufsleben: Jede Branche stellt unterschiedliche Anforderungen an die Körpersprache.

Generell empfehle ich jedoch, immer eine offene Körperhaltung einzunehmen und Verlegenheitsgesten zu unterlassen. Denn diese suggerieren Unsicherheit!


Nähe und Distanz

Es gilt als höflich, wenn du allgemein Abstand von 1,5 Metern zum Gegenüber hältst. Es kommt hier natürlich auf das Verhältnis zu den Gesprächspartnern an. Bekannte, Freunde oder enge Kollegen/Kolleginnen oder sogar Liebende sitzen dichter beieinander; zum Chef oder im Bewerbungsgespräch hält man eher eine gewisse Distanz ein.


Distanz bewusst aufbauen

Wenn dir jemand zu Nahe kommt und du Grenzen aufzeigen möchtest, kannst du deinen Oberkörper zurücklehnen und einen Schritt zurücktreten. Manchmal helfen dir Berührungen auch, Gespräche in eine gute Richtung zu lenken.


Magic touch

An Berührungen erinnern sich Menschen besonders oft. Im Alltag beginnt das beim Händedruck. Übe ihn also am besten mit Freunden, damit du nicht als die „verschwitzte Hand” oder der „tote Fisch” in Erinnerung bleibst. Weniger ist hier mehr, denn oft möchte das Gegenüber gar nicht angefasst werden, es sei denn ihr seid Liebhaber oder Freunde. Das Tätscheln am Rücken ist übrigens eine Geste der Dominanz und übt Druck von hinten aus.


Die Körpersprache anderer richtig deuten

Bereits 30 Sekunden oder wenige Momente genügen, um sich ein Bild vom Gegenüber zu machen. Es genügt, sich Bilder von Menschen anzusehen, um sie als sympathisch oder unsympathisch einzustufen. Dieses „Thin Slicing” machen wir im Alltag ständig. Wir ziehen in wenigen Sekunden Rückschlüsse auf unseren Sitznachbarn.

Genau deshalb ist es so wichtig mit seiner eigenen Körpersprache die richtigen Signale zu senden! Durch Beobachtung und Reflexion gewinnst du Übung darin, die Körpersprache anderer zu lesen und deine eigene nachhaltig zu verbessern.


Die besten Tipps für Körpersprache im Alltag


Koerpersprache im Alltag | Argumentorik


Die besten Tipps für Körpersprache im Beruf


Koerpersprache im Beruf | Argumentorik


Beispiele erfolgreicher Körpersprache

Wir haben gelernt, dass Körpersprache uns helfen kann, das Gegenüber für uns zu gewinnen und zu überzeugen. Wir können sie also zu unserem Vorteil nutzen. Mit ihr wirken wir menschlicher, sympathischer, agiler, selbstbewusster und authentischer. Es gibt zahlreiche Redner, die ihren ganz eigenen Stil entwickelt haben. Inhalt und Körpersprache sind dabei kongruent, sie ergänzen sich.


Denn Körpersprache ist „nur” ein Teil der Kommunikation

Diesen kannst du mit Training verbessern. Ich möchte dir ein paar Beispiel-Reden mitgeben, die eine sehr signifikante Körpersprache aufweisen. Vielleicht kannst du den einen oder anderen Körpersprache-Trick übernehmen oder noch besser: Du entwickelst mit Hilfe der Inspiration einen ganz individuellen Stil! Nimm dich regelmäßig mit dem Smartphone auf und übe den Einsatz deiner Körpersprache!


Praktische Gestik-Übung: Jetzt im Video!


Körpersprache von Profi-Rednern in Aktion:

  1. Ken Robinson: Do schools kill creativity?
  2. Brené Brown: The power of vulnerability
  3. Will Stephen: How to sound smart in your TED talk
  4. Wladislaw Jachtchenko: Die 10 Stufen des Zuhörens

Autor: Wladislaw Jachtchenko

RHETORIK WOCHE KARRIERE WOCHE Schwierige Gespräche SmallTalk